Sonntag, 26. Februar 2012

Meltdown

Okay, upbeat Chicago post to follow once I'm able to write something funny again, but here is what happened.

Zur Klarheit alles auf Deutsch. Also ich bin heute heimgekommen, sehr verschlafen, und hab mich wieder bei mir eingerichtet. Dann taucht ein Kumpel von mir der über mir wohnt auf und meint ich muss unbedingt mit Rebecca reden. Rebecca ist unser House-manager, also zuständig für Putzeinteilung etc. Nettes Mädel, studiert Regie. Und heute hat sie einen Nervenzusammenbruch gehabt, anscheinend. Komplett verstört, abewesend, sehr sehr seltsames Verhalten. Bei jedem anderen hätt ich gedacht das sind Drogen, aber bei ihr, nein, nie.

Ich hab also versucht mit ihr zu reden, keine Chance, sie hat irgendwie an mir vorbeigeredet, nicht wirklich reagiert, und ständig sehr sehr seltsame Sachen gemacht, zum Beispiel Kekse im Stiegenhaus verteilt und umarangiert, den Mistkübel ausgeleert, aussortiert und wieder einsortiert, also alles in allem alles andere als normal. Dann kommt Joseph (der Neue) vorbei und meint seine Freundin und er verlassen das Haus und schlafen bei ihr, weil sie den ganzen Nachmittag bei im angeklopft hat und seltsame Fragen gestellt hat, vor seinem Fenster die Amerikanische Nationalhymne gesungen, Sachen auf sein Fensterbrett geworfen, und andere verhaltensoriginelle Zwischenfälle.

Ja, super. Als stellvertretender Hausmanager ist es jetzt also meine Aufgabe das zu regeln. Irgendwie stand in der Aufgabenliste nie eine Klausel darüber das Kommando zu übernehmen wenn der Hausmanager durchdreht. Na gut, ich also total übernachtig, keiner im Haus außer ihr, Franco (der Kumpel über mir) und einem anderen Freund von uns, der mir noch erzählt hat das sie sich seit Tagen so seltsam verhält, aber bis dato nicht so schlimm. Ergo ipsum, Leute fühlen sich von ihr bedroht, sie spricht nicht mit mir und benimmt sich als hätte sie ein schweres psychisches Problem. Also Coop-Notnummer anrufen, und siehe da, die Jungs von der Notnummer sind ungefähr so nützlich wie ein Rettungsboot aus pissgetränktem Krepppapier, danke sehr.

Was bleibt? 911. Die sagen also sie schicken wen, und zu dem Zeitpunkt waren schon ein paar andere Bewohner wieder da (wir sind irgendwie alle heute zurückgekommen, nona, morgen sind wieder Vorlesungen nach einer Woche Ferien) ich schick also die anderen rein sie im Auge zu behalten, und warte auf die Jungs vom Notruf. Die kommen nicht. Irgendwann kommt ein Mädel raus und sagt mir sie wollte sich einen, Zitat "Razor" ausborgen. Verfluchte Sprachverengung, Razor deckt alles zwischen Rasierklinge und Ladyshave ab, es war letzteres, sie hat sich im dunkeln im Bad die Beine rasiert, weiterhin sehr seltsam, aber nicht so erschreckend. Ja. Ich wusste dieses nicht, mach mir sofort um ein paar Magnituden mehr Sorgen, und ruf den Notruf nochmal an, jetzt schicken sie die Polizei. Zu diesem Zeitpunkt rückt ihre beste Freundin an, und nimmt sich der Sache an, der Himmel habe Mani Eustis selig, ohne die wäre ich vermutlich aufgeschmissen gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt hat die Lage gewirkt als würde sie sich entspannen, definitiv psychisches Problem, aber anscheinend im Vorfeld Probleme mit ihrem Bruder, mim Studium, dazu oder davon noch Schlafstörung, alles noch immer besorgniserweckend aber immerhin, GRÜNDE. Und dann. Die Polizei braucht fast zwei Stunden weil sie Downtown anscheinend einen Typen bei einer Ubahnstation angeschossen haben, und kommen zum selben Zeitpunkt an als die komplett aufgelöste Mutter von dem Mädel kommt, die irgendwie was mitbekommen hat, und nur die ganzen Krankenwagen in der Gegend sieht. (Das ist der erste derartige Zwischenfall seit vier Jahren, laut Freund und Helfer) Herrlich. Und ich, in meiner Kapazität als größtes wandelndes Fettnäpfchen aller Zeiten, beruhige die Dame mit den Worten "Nono, just a misunderstanding, I only got worried when she wanted to borrow a razor." Ich Vollidiot. Naja, die Polizei nams locker, gibt uns eine Notfallnummer, und rückt ab, die Mutter wird mit Tee und Verständnis von den Mädels behandelt und beruhigt, und Rebecca, weiter von ihrer besten Freundin betreut, schwirrt weiterhin im Haus herum und macht seltsame Dinge, die Spitze ist das ich jetzt alle scharfen Gegenstände aus ihrem Zimmer für sie in Verwahrung habe, damit sie beweisen kann das sie nicht suizidgefährdet ist. Ja, danke. Tut mir leid.

Ich hab keine Kapazität, keine Zeit und so herzlos das klingt keine Lust mich mit diesem Problem zu befassen, und werd das Gefühl nicht los das ich mich danebenbenommen habe. Rebecca ist garantiert auf mich sauer in ihrer Verwirrtheit (sie ist von mir fortgeschreckt als ich mich entschuldigen wollte, jetzt fühl ich mich noch mehr verantwortlich) das ganze Haus steht mal wieder Kopf, und ich werd wohl die ganze Sache morgen Coop als großes Mißverständnis erklären. Und ich mag kanadische Polizisten, die sind immer sowas von entspannt...

So, die letzten Absätze hab ich mal revidiert, jetzt wo ich mich ein bisschen beruhigt hab. Alles in allem geht mir das hoffentlich verständlicherweise auf den Zeiger, aber ich denk mir wenn ich erstmal drüber geschlafen hab (was ich jetzt seit bald 37 Stunden nicht mehr richtig gemacht hab, im Bus wars nicht so bequem)kann ich die Tatsache das wir jetzt Rebecca erstmal alle helfen werden müssen mehr als Freundschaftsdienst als als Verpflichtung sehen. Ist ja kaum ihre Schuld. Die anderen kümmern sich momentan um sie, und es ist schließlich super das wir in Notfällen immer zusammenhalten, obwohl wir uns alle "nur" 6 Monate kennen. Trotzdem, kranker kranker Tag. Beenden wir ihn hier, mit Schlaf.

3 Kommentare:

  1. If it's any help... going by the information you give here, I would have expected her to cut herself, too.

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  2. Also, it looks like my curse worked! :-O

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